langeweile und kleine überraschungen

so liebe freund_innen der ungeduld. hier ist jetzt der angekündigte bericht der angekündigten veranstaltung über antideutsche positionen. um schon mal vorweg zu enttäuschen: die große show blieb aus. da ein anderer termin ausfiel konnte ich doch anwesend sein und berichte daher aus erster hand. anscheinend hat die veranstaltung in frankfurt eine hohe erwartung ausgelöst, bzw. entertainment-süchtige vom fernseher weggeholt, denn es fanden sich so um die 100 leute fast des gesamten spektrums im café exzess ein. zu beginn waren auch die richtigen spinner von zusammen e.v. anwesend, die sind aber ziemlich schnell wieder abgezogen. schade eigentlich, denn ursprünglich war so eine veranstaltung ihre idee, nur wollte weder die raumstation noch das exzess ein solches irrentribunal bei sich im haus haben. also gab es von dieser seite keine pöbeleien oder ähnliches, was den entertainment-faktor deutlich nach unten senkte. das podium wurde besetzt von einem vertreter der antifa f, zwei vertreter_innen des café antisistema und einer moderatorin des exzess. es begann mit einem versuch einer begriffsklärung von „antiimp“ und „antideutsch“ durch die moderatorin. in zwei, nun ja mehr schlecht als recht vorgelesenen, texten versuchte sie, eine historische herleitung der beiden positionen. antiimp aus der gefangenen- und raf-solidarität und antideutsch aus den entwicklungen nach der sogenannten wiedervereinigung. bei den antiimps wurde dann hauptsächlich die autoritäre binnenstruktur kritisiert und gegen die autonomen abgegrenzt, inhaltlich wurde aber fast gar nichts dazu gesagt. bei den antideutschen, und das war eine überraschung, wurde relativ differenziert und sachlich über die geschichte und die diversen internen spaltungen berichtet. das war so nicht zu erwarten von personen, die sich vor wenigen jahren noch eher einen arm abgehackt hätten, als mal einen genaueren blick auf antideutsche texte zu werfen. danach durften sich kurz die beiden gruppen vorstellen, dann war pause (ja es war eine ziemlich lange veranstaltung). nach der pause legte der vertreter der f ihr politikverständnis dar, hergeleitet aus einer an marx et al orientierten kapitalismuskritik, was nun nicht wirklich spannend war, aber auch keine großen aussetzer beinhaltete. wie üblich bei der f fiel die analyse unmittelbar mit einer jeweiligen praxis zusammen. dann durfte der erste vertreter des café antisistema ran und er sprach – uiuiui – über verkürzte kapitalismuskritik. und siehe da, gar nicht mal sooo schlecht. sicherlich mit einigen handwerklichen fehlern, vor allem im letzten teil, in dem er versuchte wertkritik als auf die zirkulationssphäre verkürzt zu kritisieren, was aber nur geht, wenn man selbst nur einen verkürzten blick auf die wertkritik hat, ging m.E. einiges daneben, aber sonst überraschend ok. diesen eindruck, dass sogar in den chiapas-soli-kreisen etwas theorie angekommen ist durfte dann die zweite vertreterin dieser losen vereinigung wieder zerstören. saß sie schon die ganze zeit wie die stolze mutter neben ihm, die ihm auch den jugendlichen leichtsinn und theoriequatsch mal verzeiht, so konnte sie jetzt loslegen. es folgte eine vor moral triefende aus-dem-bauch-empörte predigt über den kolonialismus, den bösen westen und die imperialistische aufklärung. ausgangspunkt war ein text von küntzel („die früchte des wahns“), dem sie erstmal argumentativ nichts entgegenzusetzen hatte, sondern anfing mit „wenn ich sowas lese, kriege ich wut“. die intention dieses textes gar nicht erfassend wurden irgendwelche emanzipatorischen strömungen in der arabischen und islamischen welt hochgehalten, ohne jedoch auf deren heutige vollkommene marginalisierung hinzuweisen. ihr prinzip legte sie dann auch offen: „ich gehe nicht von theorien aus, ich gehe von menschen aus“. ihre schlussfolgerung: menschen in ehemaligen kolonien werden unterdrückt vom kapitalistischen westen, der auf den grundsätzen der aufklärung aufgebaut ist, also ist jedes eintreten für die aufklärung imperialistisch.
so die vorlage war da, wurde aber auf dem podium nicht genutzt. stattdessen wurde das, was die positionen wirklich trennt schön umschifft. auf kritische nachfragen aus dem publikum, die versuchten, den finger in die wunde zu legen wurde ziemlich rumgeeiert. nun ja, aber auch so hat sich die vertreterin des café antisistema selbst demontiert. denn auf die frage nach dem maßstab ihres revolutionsverständnisses konnte sie nur ausweichend herumlavieren und unbestimmt von unterdrückung faseln. denn wenn sie ihre position konsequent zuende gedacht hätte, hätte sie nur zwei möglichkeiten gehabt das zu bestimmen: entweder ein klares bekenntnis zum nationalen (völkischen) befreiungskampf oder dann doch die aufklärung als emanzipation des individuums. letzteres ging ja nicht, hat sie schon abgelehnt, ersteres kann anscheinend so offen dann doch nicht mehr vertreten werden. ist ja auch was.
die diskussion mit publikum war größtenteils langweilig. nur ein highlight ist erwähnenswert. ein urgestein des exzess, schon in der vergangenheit durch allerlei unfug aufgefallen, ließ es sich nicht nehmen, den preis für den größten unsinn des abends einzuheimsen. in einer hasspredigt gegen die f behauptete er zunächst, der begriff „automatisches subjekt“ wäre in den 1920er erfunden worden (implizit meinte er, um die arbeiterbewegung zu schwächen), und der begriff der „totalität“ wäre ein genuin rechter begriff. das war verpackt in einen unglaublich dummen redeschwall gegen „massenfeindlichkeit“ und noch einiges, was ich allerdings wieder vergessen habe. aber mit ihm wollte dann doch niemand diskutieren und vom podium wurde er durch die f einigermaßen schroff abgebügelt.
fazit: ich hätte mir mehr unterhaltung gewünscht. naja, aber wenn die wirklich heißen punkte ausgespart bleiben kommt halt so eine lass-uns-mal-drüber-reden-veranstaltung raus. andererseits kommt die linke an bestimmten antideutschen positionen und kritiken nicht mehr vorbei und muss sich damit auseinandersetzen. mal schauen, ob es noch weitere veranstaltungen geben wird.

ps: ergänzungen erwünscht.


8 Antworten auf „langeweile und kleine überraschungen“


  1. 1 w 09. September 2008 um 20:26 Uhr

    hihi. danke.
    war besagtes urgestein „derda“? oder die linke hand der „stolzen mutter“?

    israel war gar nicht so wichtig, wa?

  2. 2 overdose 09. September 2008 um 21:58 Uhr

    nein. „derda“ ist auch ziemlich schnell wieder gegangen.
    israel wurde ziemlich ausgespart, bzw. immer wenn es zur sprache kam, wurde immer wieder gesagt, dass es da nicht drum ginge. es ging kurz um afghanistan, aber da hauptsächlich darum, dass die f auf eine positionierung dazu offensiv verzichtet hat.

  3. 3 w 09. September 2008 um 22:56 Uhr

    wenn die antiimps alle so schnell wegrennen, haben die offenbar kein sitzfleisch – die sollen mal ihre arschmuskulatur trainieren. oder ist es denkfaulheit?

    wurde der quatsch denn aufgenommen?

  4. 4 overdose 10. September 2008 um 6:47 Uhr

    warum sollen die auch dableiben? es gibt doch eine broschüre von 1975, da steht doch alles drin. bei zusammen e.v. wurde gemutmaßt, dass ihnen zu viele antids oder was sie dafür halten (f, die antisistema-referentin wurde von denen ja auch schon als kriegstreiberin beschimpft) anwesend waren.
    das wurde tatsächlich aufgenommen. weiß aber nicht, ob es veröffentlicht wird. hatte ich ganz vergessen. das ya basta-netzwerk plant wohl in anderen städten ähnliche veranstaltungen und die soll als grundlage dafür dienen.

  5. 5 w 10. September 2008 um 21:51 Uhr

    „1975″

    1967!

    „die antisistema-referentin wurde von denen ja auch schon als kriegstreiberin beschimpft“

    :schenkelklopfer:

  6. 6 Jörg 25. September 2008 um 13:15 Uhr

    Hier mal eine andere Sichtweise der Veranstaltung
    Das Cafe Antisystema und die autonome Antifa f haben eine total objektive Veranstaltung zum Thema Antideutsche im Exzess organisiert. Die gute Nachricht vorweg, ich habe ne Kiste Bier gewonnen. Ein Genosse von mir meinte nach dem Verbot unserer Veranstaltung zum Thema Antideutsche durch das Plenum vom Ex, dass da wohl nichts mehr nachkommt. Ich dagegen war mir sicher es wird eine Veranstaltung geben, da der Druck jetzt bei denen liegt die Antideutsche Positionen als Gefahr ansehen, aber trotzdem in Ihrem Ex lieber mit allen kuscheln, auch wenn die Subjekte des Kuschelbedürfnisses gerade mal wieder für einen Krieg plädieren. Egal, mensch kennt sich doch und ist doch auch alles gar nicht so schlimm, irgendwie sind wir doch alle Antifaschisten und Linke. Da ist es auch gar nicht erwünscht wenn Außenstehende in die Freiräume eindringen, rumpöbeln und einfach behaupten es gäbe Antideutsche in der Szene in Frankfurt und deren Positionen wären rassistisch, bellizistisch und anti-links. Wer so was behauptet, ist mindestens eliminatorischer Antisemit, wenn nicht sogar Trozkist! Böse, böse und nochmals böse! Was ist eigentlich ein Trozkist? Außerdem wurde die Form nicht gewahrt. Ausschließend wurde die Debatte geführt, der Umgang war so gar nicht Konsens orientiert. Unglaublich wir wollten keinen Konsenz mit Kriegstreibern und Rassisten. Es tut uns leid, aufrichtig leid und wir waren im Ex (einige wenigstens, die meisten waren klüger, weil sie sicher waren das die ganze Veranstaltung einfach nur peinlich wird) um von den Veranstaltern zu lernen, wie mensch so ein Thema liebevoll und solidarisch behandelt. Da ich drei Stunden durch gehalten habe, finde ich auch, dass ich die Kiste Bier redlich verdient habe. Ich werde sie hier im idyllischen Rödelheim genüsslich mit einigen Leuten trinken und dabei „lustige“ Anekdoten über die Veranstaltung zum Besten geben. Nun aber kommt der schwierige Teil, wie berichtet mensch sinnvoll, über eine sinnfreie Veranstaltung?

    Vorgelesene Einleitungen und eine kurze Vorstellungsrunde

    Wenn ich alles richtig verstanden habe, wurden die zwei zu Beginn der Veranstaltung verlesenen Papiere von den zwei Gruppen verfasst, die das Konzept für den Abend entworfen hatten. Cafe Antisystema hat DIE Antiimp Position dargestellt und die autonome Antifa f hat uns erhellendes über das Thema Antideutsche mitgeteilt. Verlesen wurden die Texte von einer Vertreterin des Ex. Bei soviel wohlwollender Objektivität waren wir sofort positiv angetan. Ganz nach dem Motto der Veranstaltung Zusammengesetzt (nettes Wortspiel), wurden alle zivilisatorischen Mindeststandards erfüllt (kein Sexismus, kein Antisemitismus, kein Streit und niemand wurde die Hand abgehackt) und die einzelnen Referentinnen gingen dazu über sich, ihre Gruppen und die Inhalte, ihrer jeweiligen Vorträge kurz vorzustellen. Bevor ich dazu übergehe die Inhalte zu besprechen, noch mal ne Verständnisfrage an die Veranstalter. Wenn ich das Konzept richtig kapiert habe sollten die verschiedenen Positionen auf dem Podium vertreten sein und das Ex sollte so was wie die Moderation übernehmen zwischen den Polen. Dann hätte Cafe Systema für die Antiimp Ecke gestanden und die Antifa f für das Antideutsche Lager. Das Ex (In Form der Moderatorin) wäre dann so etwas wie die zu Fleisch gewordene Schweiz der Frankfurter linken Szene, ohne eigene Position zu imperialistischen Angriffskriegen und ähnlichen Fragen. Aber immer Verständnisvoll und vermittelnd, alles ist möglich im Ex. Habe ich dann auch richtig verstanden das die Antifa f für den Antideutschen Teil der Frankfurter „Linken“ gesprochen hat? Ich bin verwirrt. Ist die Antifa f Antideutsch geprägt? Oder weis sie nur am Besten was Antideutsch ist in Frankfurt? Gibt es überhaupt Antideutsche in Frankfurt? Gibt es überhaupt Antideutsche außerhalb der Bahamas Redaktion? Na ja wer weis das alles schon? Jetzt aber mal zu den zwei, äh, Positionspapieren (?), „objektiven“ Einschätzungen, äh, oder vielleicht Konsenspapieren der Veranstalter: Antideutsche in dem Sinn gibt es gar nicht als homogene Gruppe! Bla, bla, bla. Nach der Wiedervereinigung, hatte die Linke Angst vor einem 4 Reich… Endlich wurde der Antisemitismus innerhalb der Linken thematisiert… Bla, bla, bla. Die böse Bahamas Redaktion verabschiedet sich von der Linken… Und so weiter und so fort im Besten Wikipedia Stil. Am Ende wurde noch erwähnt, dass der aufsehen erregende Vorfall in der Au, bei dem „Israel-solidarische Linke“ verprügelt wurden hier jetzt endlich mal diskutiert werden sollte.
    DIE Antiimps waren dagegen eine RAF hörige, autoritäre, homogene Sekte, die immer die guten Autonomen unterdrückt haben. Gegen Militarismus konnte mensch aber doch einigermaßen mit ihnen zusammen arbeiten, bis sich die autonomen dann im Häuserkampf endlich von den Antiimps emanzipieren konnten und sich die RAF Hörigkeit, mittels Selbstauflösung selbiger, von alleine erledigt hat.
    Nach diesen sehr ausgewogenen Eingangsausführungen regte sich heftiges Zucken bei diversen Genossinnen und Genossen die sich jenseits des vierzigsten Lebensjahres befinden. Allerdings waren inhaltliche Fragen zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwünscht. Im Rahmen der demokratischen Partipation waren Verständnisfragen durchaus erlaubt. Anschließend stellten sich alle auf dem Podium sitzenden Personen und Gruppen vor und skizzierten ihre inhaltlichen Vorträge.
    Vor den Vorträgen wurde eine Pause eingelegt, in der alle noch ein Bier holen, aufs Klo gehen oder eine Runde Tischfußball spielen konnten. Einige wenige redeten auch über die Veranstaltung, ihre aktuellen Probleme in der Partnerschaft oder den bis jetzt schlechten Verlauf des Spätsommers. Alles war also so, wie es sich das Ex bei politischen Veranstaltungen vorstellt.
    Das Ende der Pause rückte allerdings unaufhaltsam näher. Das Unvermeidbare war nicht mehr zu verschieben, die Antifa f erzählte aus ihrer Praxis und Theories. Atemlose Stille. Wir sind gegen Militarismus! Konkrete Kriege, in denen hunderttausende Menschen vertrieben werden, ihrer wirtschaftlichen Existenz beraubt werden, verstümmelt werden oder getötet werden, kann die Antifa f nicht so gut einschätzen. Mensch weiß nicht so genau was im Libanon, im Irak oder in Afgahnistan so geschieht. Es gibt kaum objektive Einschätzungen und die Antifa f kann sich da kein Bild machen. Außerdem sollte auch nicht jeder erwarten, dass die Antifa f sich zu allem äußert. Klar ist aber das die Friedensbewegung für ihren plumpen Antisemitismus und Antiamerikanismus hart zu kritisieren ist! Und pauschal gegen Kriegseinsätze zu sein ist automatisch antiamerikanisch und antisemitisch und doch sehr bürgerlich! Eine Klassengesellschaft gibt es immer noch, sagt die Antifa f. Und der „berühmteste“ Antagonismus ist der zwischen Kapital und Arbeit. Aber positiv beziehen kann mensch sich nicht mehr auf die Arbeiterklasse, da diese ja schon im Nationalsozialismus Teil des Problems war. Stattdessen sucht die Antifa f Leute die das „Richtige“ machen, natürlich auf einer streng marxistischen Theorie basierend, ach ja und unter Berücksichtigung der kritischen Theorie. Und dann ist da noch der Unterschied ums Ganze. Die zivilisatorischen Mindeststandarts müssen gewahrt werden. Gegen weiße Folter ist die Antifa f auch. Aber es ist doch ein Unterschied, ob Jemand die Hand abgehackt wird oder ob mensch psychisch zerstört wird. Ob in den Ländern (Libanon) wirklich die Hände abgehackt wurden ist auch egal. Ob es im Irak Massenvernichtungswaffen gab oder nicht, egal. Thomas von der Osten Sacken hat es am 10 Mai wesentlich ehrlicher ausgedrückt als die Antifa f, als er auf die schlechten Arbeitsbedingungen im Iran hinwies und im Rahmen der Solidarität mit dem Arbeitskampf der Busfahrer den Terror der Mullahs beschrieb. Bomben auf den Iran um endlich die Unterdrückung der iranischen Arbeiterklasse zu überwinden. Juhu. Die Antifa f hat da aber keine Meinung zu. Mit Imperialismus hat das nichts zu tun. Auch dieser Vortrag ging vorbei. Jetzt war Cafe Antisystema an der Reihe. Zuerst ein junger Genosse, der ein kurzes Referat über verschiedene Formen der verkürzten Kapitalismuskritik hielt. Drei der vier Punkte beschrieben Formen der Kapitalismuskritik, die der Genosse ebenfalls als nicht weit reichend genug einschätzt. Diese möchte ich hier nicht weiter behandeln. Den spannenden vierten Punkt allerdings sollte mensch genauer betrachten, weil er tatsächlich die Möglichkeit einer kritischen Diskussion über Antideutsche „Theorie“ beinhaltete. Der Genosse erläuterte einen dialektischen Widerspruch, den die anwesende „Antideutsche Avangarde“ aus Frankfurt, inhaltlich nicht verstehen konnte. Was zu der durchaus lustigen Begebenheit führte, dass der Vortrag ordentlich beklatscht wurde und später in zwei Wortbeiträgen, als so unterschreibbar befunden wurde. Der Punkt des Genossen war der, dass Kapitalismuskritik die ausschließlich den einzelnen Manager, Kapitalbesitzer oder das einzelne Unternehmen für die allgemeinen Verhältnisse verantwortlich macht, nicht weit genug greift. Und doch ist es richtig und unumgänglich die konkreten Verhältnisse zu kritisieren. Also muss mensch die ganz konkreten Personen und Unternehmen kritisieren und benennen, die für eine bestimmte Entwicklung des Kapitalismus stehen. Ansonsten bleibt jede Kapitalismuskritik abstrakt und theoretisch. Wenn mensch aber sowieso auf die lohnabhängig Beschäftigten scheißt, ist es natürlich besser alles rein theoretisch zu betrachten und jede konkrete Kritik, wahlweise mit dem antisemitismus-, antiamerikanismus- oder dem verkürzten Kapitalismuskritikvorwurf zu belegen. So wird revolutionäre Politik unmöglich gemacht. Das ist eine bürgerlich/elitäre Position, die direkt in die SPDCDULINKENPDect. führt.
    Zum Schluss redete eine weitere Genossin des Cafe Antisystema. In der Vorbereitung auf die Veranstaltung hat die Genossin Mathias Künzel gelesen. Sie war wütend und traurig nach dem sie den Text gelesen hatte. Mathias Künzel diskriminiert den Islam, stellt alle Menschen islamischen Glaubens unter Generalverdacht und befürwortet Kriege. Eine klassische Position innerhalb des Antideutschen Spektrums also. Künzel, der massenweise Texte in bürgerlichen Medien veröffentlicht, ist ein Rassist und Bellizist. Es hat die Genossin zu Recht wütend gemacht, dass ein solcher Mensch sich Linker nennt. Kein Wort allerdings darüber das im Publikum ne`Menge Leute saßen, die ganz genauso denken. Anschließend wendete sich die Genossin dem Thema Imperialismus und Internationalismus zu. Schön erklärte sie, dass mensch Kriege auch ablehnen kann ohne mit der abgeschlachteten Bevölkerung einer Meinung zu sein. Abschließend noch einige Zeilen aus „Die Verdammten dieser Erde“. Eindrücklich wird in diesem Buch der Imperialismus gegeißelt. Einen Bezug zum eigentlichen Thema stellte die Genossin leider nicht her, da sie zwar allgemein über imperialistische Verhältnisse referierte, aber den bei diesem Publikum durchaus mutigen Schritt zur Gegenwart nicht gegangen ist. Konkrete Kritik hätte wahrscheinlich sofort zu einer dynamischen Diskussion geführt.
    Prima. Die anschließende Debatte drehte sich um alles Mögliche. Ein Teilnehmer wollte lieber über Sexismus sprechen. Andere Genossen kritisierten zu Recht das völlig sinnfreie Konzept der Veranstaltung. Die Antifa f versicherte auf Nachfrage noch mal, das sie keine Ahnung hat, was da so passiert in Afgahnistan und ob es jetzt besser sei dort zu bleiben oder nicht. Die besondere Grausamkeit des Hand ab hacken, wurde von allen Seiten beleuchtet. Eine andere Teilnehmerin fragte ob es den hier um eine Generalabrechnung mit der Antifa f ginge (Nur keine kritischen Fragen, ihr wisst doch die Mindeststandarts). Wir waren mittlerweile so müde, das mir die Augen zugefallen sind. Lieber Gruß aus dem schönen Rödelheim.

  7. 7 overdose 25. September 2008 um 15:29 Uhr

    hui, ein langer kommentar aus rödelheim. da ich gerade keine zeit habe, lass ich das erstmal unkommentiert stehen.

  8. 8 overdose 26. September 2008 um 18:55 Uhr

    nochmal kurz zu jörg: a)wie schön, dass du weißt, was die „antideutsche avantgarde“ verstehen kann, und was nicht. und um welchen „dialektischen widerspruch“ es in der kritik der wertkritik als „verkürzter kapitalismuskritik“ ging, bleibt wohl auch dein geheimnis. denn es ging mitnichten um einen dialektischen widerspruch, sondern um die kritik daran, wie ich oben schrieb, dass die wertkritik – so der referent – auf die zirkulationssphäre fokussiert sei und die produktion außer acht ließe.
    b) das du mit kritischer theorie nichts anfangen kannst, beweist du ja selbst in deinem geschreibsel. der alte langweilige vorwurf, sie sei elitär, bürgerlich, blablabla. nichts als anti-intellektualismus scheint da hindurch.
    c) und wo küntzel in dem dort erwähnten text alle menschen islamischen glaubens unter generalverdacht stellt, für einen krieg ausspricht und sich rassistisch äußert, tja, das müsstest du erstmal am text nachweisen. ein „da fühl ich wut“ reicht da nicht.
    d) ein schöner beweis des identifizierenden – und begriffslosen – denkens ist dein text allemal.

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