125 jahre august reinsdorf

am 28.9. vor 125 jahren wurde das niederwalddenkmal, die „germania“, bei rüdesheim am rhein eingeweiht. ein monumentales symbol deutscher einheit war geschaffen. dass jene deutsche einheit aus einem konterrevolutionären krieg gegen frankreich hervorging, der die blutige niederschlagung der pariser commune beinhaltete, hindert die frankfurter rundschau nicht daran, es durch einen historiker als „nationales friedensdenkmal“ zu bezeichnen. nun ja, unter frieden verstehen deutsche halt immer was sehr spezielles. doch die geschichte der „germania“ ist auch die geschichte der propaganda der tat des anarchismus. am tag der eröffnung plante august reinsdorf mit zwei weiteren anarchisten, den kaiser samt gefolge in die luft zu sprengen. das attentat missglückte aufgrund einer schlechten zündschnur, die aufgrund des regens aufweichte und nicht mehr ihren dienst erledigen konnte. es war eine zeit, in der nach der niederschlagung der commune die aussichten auf einen sieg der revolution äußerst schlecht standen, und sich einige anarchisten wie reinsdorf der direkten gewaltaktion zuwendeten, da eine militärische auseinandersetzung mit den offizielle heeren nicht in betracht kam. johann most war einer derjenigen, die zwar nicht selbst bomben bauten, aber mit seinem büchlein „revolutionäre kriegswissenschaften“ anleitungen zum bauen ebensolcher wie zum giftmischen und anderen dingen veröffentlichte, die mit damals frei erhältlichen zutaten zusammengeschustert werden konnten.
die haltung dahinter zeigt sich offen in der abschlussparole einer biographischen skizze reinsdorfs von most, der diese beendet mit den worten „hoch die gewalt! es lebe die soziale revolution“.
reinsdorf, der den prozess gegen ihn als bühne für anarchistische propaganda nutzte, und seine beiden genossen wurden zum tode verurteilt und hingerichtet. und so schaut die „germania“ auch heute noch über den rhein und ist laut frankfurter rundschau „kein magnet für nazis“, um auf der selben seite in einem anderen artikel zu schreiben: „gerade hatte er nämlich auch drei zwielichtige Gestalten entdeckt. Jung, kahlrasiert, mit Springerstiefeln und Nato-Hosen, Bierflaschen in der Hand. Und ein selbsternannter Touristen-Führer, ähnlich angezogen und mit einem Album in der Hand, hatte ihnen lächelnd zugenickt.“