Archiv für Oktober 2008

ein gedicht ist ein gedicht oder auch nicht

viel thematisiert, jetzt auch hier: ein unbetiteltes gedicht zur finanzkrise macht die runde im internet und wird frank und frei kurt tucholsky untergeschoben, der es aber nicht verfasst hat. stattdessen konnte als verfasser ein rechtsoffener autor names richard g. kerschhofer ausgemacht werden, hier z.B.. die frankfurter rundschau kommentiert, dass der autor „öfter für die deutlich rechts angesiedelte österreichische Zeitschrift „Zeitbühne“ schreibt und wohl auch gewisse Sympathien für die FPÖ hegt. Hätte Tucholsky zum Beispiel jemals von der „Spekulantenbrut“ gesprochen oder klingt hier nicht vielmehr ein völkisches Ressentiment an? Ist ja nur ’ne Frage…“
auch die frankfurter antinazi-koordination hat dieses gedicht veröffentlicht, hat aber inzwischen mitbekommen, dass es doch nicht von tucholsky stammt. aber ein hinweis auf den urheber und das umfeld, in dem jenes machwerk erstveröffentlicht ist, fehlt völlig. die website http://anonymouse.org/cgi-bin/anon-www_de.cgi/http://www.genius.co.at lässt dann doch relativ wenig fragen offen. so wird in einem artikel über „zeitgemäßen nationalismus“ auf alain de benoist zurückgegriffen und in den leitlinien der seite von der bedrohten existenz der europäischen nationen schwadroniert, es also ganz offensichtlich ein neurechtes ethnopluralistisches projekt ist. dass der frankfurter rundschau dabei die wortwahl des gedichts auffällt („spekulantenbrut“), und diese auch gleich richtig eingeordnet wird, der ank aber weder das umfeld der erstveröffentlichung noch die wortwahl des gedichts auch nur eine zeile wert ist (oder sie diesen unfug wieder zurückzuziehen) ist doch höchst bezeichnend.
[update: ist mir gerade erst aufgefallen, aber lustigerweise hat die ank dieses „gedicht“ in der kategorie „theorie und geschichte des faschismus“ veröffentlicht. hihi. alle weiteren kommentare erspare ich mir mal.]

noch ein hinweis

hatte ich vorhin ganz vergessen. noch eine interessante veranstaltung im ivi:

Freitag, 17.10.2008, 19.oo: Buchvorstellung und Autorengespräch

Jens Hoffmann (Berlin) und Michael Elm (FFM) werden an diesem Abend ihre Bücher vorstellen. Etwas abseits vom Trubel der Buchmesse wollen die Autoren sich über ihre Arbeit austauschen und mit Euch ins Gespräch kommen.

Jens Hoffmann: „Das kann man nicht erzählen“‚Aktion 1005′ – Wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigte

Erschienen als konkret texte 46/47 (Doppelband)

Michael Elm: Zeugenschaft im Film.
Eine erinnerungskulturelle Analyse filmischer Erzählungen des Holocaust.
Erschienen im Metropol –Verlag, Berlin

8.frankfurter gegenuni

eigentlich hatte ich ja vor noch die entwicklungen nach der nachttanzdemo schreibend zu begleiten, nur war ich dann außer landes und konnte das alles nicht mehr verfolgen. naja, stattdessen gibt es erstmal folgenden hinweis:

update: mittlerweile ist das programm online einzusehen.

breaking news: nachttanzdemo ffm von cops aufgelöst

nach den untragbaren auflagen, versuch einer unangemeldeten nachttanzdemo --- erst kessel, dann knüppel- und peffersprayeinsatz --- ein lautiwagen schon im vorfeld beschlagnahmt --- ein lautiwagen massiv zerstört --- anscheinend verletzte und festnahmen (genaues noch nicht bekannt) --- mehrere kleine demos zogen danach durch die mit cops bis zum bersten gefüllte stadt --- übersicht über mögliche zerstörungen in der stadt gibt es noch nicht --- zwei wagen schafften es zum campus bockenheim --- dort abschlussparty mit mehreren hundert teilnehmer_innen ---

updates folgen

pressemitteilung des nachttanzdemobündisses hier