Archiv für Januar 2009

bericht zur „friedensdemo“ in darmstadt

hier ein bericht einiger darmstädter über eine sogenannte friedensdemo, der auf indymedia gelöscht wurde.

Kritischer Bericht zur Palästina-Soli-Demo in Darmstadt.

Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten nahmen palästinensische, islamische und andere Gruppen zum Anlass, am 10.1.2009 eine Demo unter dem Motto „Stoppt Israel, seine tödlichen Bombardierungen und die barbarische Belagerung von Gaza/Palästina“ in Darmstadt durchzuführen.
Es versammelten sich ca. 1.000 Teilnehmer_innen aus unterschiedlichen Spektren am Mathildenplatz, um durch die Stadt zu ziehen, allerdings wuchs die Menge im Laufe der Demo noch auf ca. 1.500 an.
Vor der Demo wurde/musste von den Veranstaltern drauf hingewiesen werden, dass Fahnen politischer Parteien, Portraits ausländischer Politiker oder Führer nicht erwünscht seien, inklusive das Verbrennen von Flaggen. Außerdem wurde Frauen vorgeschrieben sich doch in den hinteren Block zu begeben, was zum Großteil auch so befolgt wurde. So gab es einen ca. 300 frau großen Frauenblock am Ende der Demo mit geschlechtsspezifischen Ordnerinnen.
Dann startete der Aufmarsch in fest geschlossenen, vorgeschriebenen 5er Reihen.
Folgende Parolen wurden gerufen: „Zionismus ist Faschismus“(wahlweise Rassismus), „Frauenmörder Israel“ (wahlweise Kindermörder), „Hoch hoch Palästina, Tod Tod Israel“, „Hoch die internationale Solidarität“, „Internationale Völkermordzentrale, USA“, „Allahu Akbar “.

Auf Transparenten/Schildern waren antiisraelische und die Shoa relativierende Parolen zu sehen, u.a. „Israel spielt das ewige Opfer“, „Stoppt die Apartheid in Israel“, „Zionismus ist der moderne Rassismus“, „Lasst keinen zweiten Holocaust zu“ sowie „Das sind Nazi Methoden“ (dabei war ein Hakenkreuz innerhalb des Davidsternes zu sehen).
„Die deutschen Medien sind wieder gleichgeschaltet“, zeugt von einer paranoiden und verschwörungstheortischen Weltanschauung.

Die Aussagen „Völkermord als Selbstverteidigung!?“ und „Stoppt die ethnische Säuberung in Palästina“ verzerren und verschleiern die Tatsachen des gesamten Nahost-Konfliktes, stellen Israel als einseitigen Aggressor dar. Außerdem unterstellen sie Israel die Absicht, den Palästinensern das selbe anzutun, was die Nazis den Juden angetan haben. Während so versucht wird, sich selbst als Opfer darzustellen, sprechen Demoteilnehmer_innen Israel das Existenzrecht ab und rufen zum Teil offen zum Judenmord auf.

Auch eher harmlos daherkommende Aufschriften wie „60 Jahre Israel – 60 Jahre Heimatlosigkeit der Palästinenser“ verdrehen die Geschichte. Es gab in der Geschichte nie einen souveränen Palästinenserstaat. Nach dem UN Teilungsplan von 1947, welcher eine Zwei-Staaten-Lösung enthielt, wurde im Mai 1948 der frisch gegründete Staat Israel von mehreren arabischen Armeen, welche Israel nicht anerkannten („Die Juden ins Meer treiben!“) angegriffen. Erst in folge dieses Krieges kam es zu Vertreibungen und Flucht von Arabern!
Hier muss hinterfragt werden, ob es den Aktivist_innen um ein friedliches Zusammenleben der „Völker“ oder um die Existenz von Israel an sich geht!?

Viele Kinder wurden in dieser Demo von ihren Eltern als Sympathieträger instrumentalisiert, um Plakate, Särge und blutverschmierte Puppen zu tragen. Dies passt dazu, „den Juden“ als blutrünstigen Kindermörder darzustellen, was das uralte anti-judaistische Klischee, dass Juden Kinder entführen um sie anschließend zu schlachten, bedient.

Während des Aufzugs wurden Passanten, welche sich kritisch geäußert hatten, von Demoteilnehmern als „Judenschweine“ beschimpft und ihnen wurde Gewalt angedroht.

Auf der Route wurde in der Innenstadt als Protest eine Israel-Fahne platziert. Diese wurde, nachdem sie bemerkt worden war, umgehend abgerissen. Die Fahne wurde auf den Boden gelegt, von einer Gruppe bespuckt und getreten. Anschließend wurde erfolglos versucht, sie anzuzünden.
Ein Ordner setzte die Auflagen durch, indem er die Fahne an sich riss. Das stieß auf großes Unverständnis und es kam dadurch zu Handgreiflichkeiten innerhalb der Demo.

Wir können nicht nachvollziehen, dass sich Gruppen und Einzelpersonen, welche sich selbst als links definieren, an einer solchen Veranstaltung teilnehmen bzw. das „Die Linke.“ Partei dort auf Stimmensuche geht.
Es geht nicht an, sich Gruppen wie der Hamas oder der Hisbollah anzubiedern, denn dabei stirbt jeder emanzipatorische Anspruch!
Ob Mensch trotz der jahrelangen Bombardierung Süd-Israels gegen eine Militäraktion an sich ist, ist eine Sache, aber auf Friedensdemos mit eindeutig antisemitischen bzw anti-israelischen und kriegstreiberischen Gruppen, wie den oben genannten, zu gehen macht jeden friedenspolitischen Anspruch lächerlich.
Natürlich bestand die Demo nur zu einem Teil aus Hamas Anhänger_innen und anderen radikalen Islamisten, aber der tendenzielle antisemitische Charakter der gesamten Demo war nicht zu übersehen, ganz zu schweigen von dem aggressiven Nationalismus!

Auch die Demo „diesen Gruppen nicht überlassen zu wollen“ und deshalb teil zu nehmen ist kein Argument, denn dadurch werden menschenverachtende und antisemitische Ansichten toleriert und mitgetragen.

Wir fordern auf, solche Veranstaltungen in Zukunft nicht zu unterstützen…

denn „Hinter dem Ruf nach Frieden, verschanzen sich die Mörder“

-einige unabhängige Communist_innen aus Darmstadt

update: hier noch ein paar bilder:


frauenblock:

wie heißt das (linkes schild) nochmal auf nazidemos?

mensch beachte das gelbe schild, das ein wenig verdeckt ist:

stauffenberg entmystifiziert

hier kann eine broschüre über stauffenberg und den 20.juli im deutschen erinnerungsdiskurs heruntergeladen werden. ich hab zwar erst die einleitung gelesen, halte sie aber schon danach für lesenswert. gerade im angesicht des tomcruisestauffenbergfilms und dem ganzen gedenkkram, der dieses jahr so ansteht.

parlamentarismus ist keine hexerei – oder doch?

schon vor zwei tagen berichtete die frankfurter rundschau über innere querelen der partei „die linke“ und den austritt des früheren spitzenkandidaten pit metz. dabei wurde auch über einen neuen direktkandidaten berichtet, günther biernoth, der nebenbei sich ursus nennt, heidnischer („keltisch, nordisch“) religion anhängt, einen hexenladen betreibt und seltsame rituale durchführt.
auch betreibt er neben einem online-shop einen blog, auf dem er sich ab und zu mal auslässt; dort können auch die anleitungen für „reinigungsrituale“ und ähnlichen mumpitz gefunden werden. zu „samhain“ wurde folgender wunsch geäußert(rechtschreibung und grammatik i.o.):

„Seit gesegnet durch die Göttin und Ihren Gefährten, dem Gehörnten Gott!“

doch auch die politik kommt nicht zu kurz. so wurde die hessische kultusministerin wolff dafür kritisiert, im biologieunterricht auch die biblische schöpfungslehre zu unterrichten. so weit so gut, kreationistischen unsinn zu kritisieren könnte ja richtig sein, aber dann kommt so was:

„Diese Welle der Irrationalität schwappt aus Amerika herüber und moderne Kreuzritter nehmen diesen Faden gerne auf um auch in Deutschland einen neuen Kreuzzug zur Missionierung zu starten.“

ja die bösen amis wieder. wollen doch glatt die schöne germanische kultur zerstören.

„Man/frau bedenke mal den Presserummel wenn ein Lehrkörper sich hingestellt und den germanischen Schöpfungsmythos im Biologieunterricht verbreitet hätte. Diesen Aufschrei und vor allem die Reaktion der Schulleitung und der Aufsichtsbehörde hätte ich gerne gesehen!“

in der tat, die germanische schöpfungsgeschichte in die schulen. jawoll. denn:

„Unsere Ahnen und Vorfahren wußten aufgrund ihrer Beobachtungen der Natur genauestens über die Gestirne Bescheid, sie wußten über Heilmethoden, Operationen und Medizin bestens Bescheid. Mühsam haben wir uns dieses Wissen gegen die Christliche Kirche wieder erarbeitet, wir dürfen es nicht zulassen, das christliche Fundamentalisten nun versuchen die Uhr wieder zurückzudrehen!“

die germanische tradition darf nicht schon wieder von den bösen amis und ihren hörigen kreuzrittern zerstört werden. wo kämen wir denn da hin. immerhin ist sich ursus mit den christen einig bezüglich des unterschieds mann und frau:

„Das zum Beispiel Mann und Frau so unterschiedlich sind ist doch eigentlich völlig klar.“

ja klar wie kloßbrühe. nur sei die geschichte der schöpfung von mann und frau (adam und eva) der christen unlogisch. viel einsichtiger dagegen die germanische geschichte:

„Der Mann entstand aus einer Esche und die Frau aus einer Ulme, Ask und Embla. Dies erscheint doch wesentlich logischer als der Matscheklumpen aus dem Adam wurde und dann oh Wunder nicht noch ein Matscheklumpen genommen wird, nein wir haben hier plötzlich eine Rippe die zu einer Frau geklont wird!“

ja, mann und frau sind aus bäumen entstanden. ist klar, ne. dass die partei „die linke“ ein sammelsurium von spinnern ist, war ja schon länger klar, nur waren die spinner eher trotzkistischer herkunft (marx21, formerly known as linksruck), die gerade in hessen großen einfluss erlangen konnten. die rundschau kommentierte: „Doch wie der Politiker, der nebenbei eine Akademie für „Magie und Hexen- und Heidentum“ betreibt, mit eingefleischten Marxisten diskutiert, würde man gerne einmal mithören.“
ich würde das noch präzisieren und mir wünschen, dass eine öffentliche diskussion zwischen ursus und linksruck über „der gehörnte oder trotzki – wer ist der wahre gott?“ zustande käme. da könnten ja auch weitere fragen geklärt werden wie: welche kräuter helfen gegen die finanzkrise? wie oft muss das parlament rituell gereinigt werden? zauberstab oder eispickel – was hatte mehr einfluss auf die revolution? sonnenwendfeier oder ll-demo? demokratie als hexentum oder verhexte demokratie?

nun ja, wenigsten bei der frage zauberstab oder eispickel fällt die entscheidung zugunsten des letzteren leicht.

antisemitische anschläge in europa

den antisemitischen manifestationen der angeblichen friedensfreund_innen folgen nun anschläge auf synagogen und jüdinnen und juden. hier eine zusammenfassung von 20minuten.ch:

Jetzt schlägt die Stunde der Antisemiten
Der durch die israelische Offensive im Gazastreifen geschürte Hass droht sich in zunehmender antisemitischer Gewalt in Europa zu entladen. Aus Frankreich, Grossbritannien, Schweden und Dänemark wurden Zwischenfälle gemeldet. Politiker und jüdische Organisationen schlagen Alarm.
«Es wird immer schlimmer», sagte der Präsident des Nationalen Büros zur Wachsamkeit gegen Antisemitismus in Frankreich (BNVCA), Sammy Ghozlan, der AP. «Die Spannung ist plötzlich gestiegen, es wird gefährlich.» Noch sind keine Übergriffe mit Verletzungen bekannt. Aber bei dem Anschlag in Frankreich hätte es nach Einschätzung der jüdischen Gemeinde leicht Opfer geben können.

Ein brennender Wagen rammte das Eisengitter vor der Synagoge am Stadtrand von Toulouse. Der Sachschaden blieb begrenzt. In der Nähe des Tatorts stellte die Polizei einen zweiten Wagen mit drei nicht gezündeten Brandsätzen sicher. Auch im Hof der Synagoge wurden Molotow-Cocktails gefunden. Zur Zeit der Brandattacke erteilte ein Rabbi in der Synagoge Unterricht. Ein Alarm habe die Täter offenbar vor einem zweiten Anschlag abgehalten, sagte Behördensprecherin Anne-Gaelle Baudouin-Clerc.

«Ihr habt die Waffenruhe gebrochen»

Staatspräsident Nicolas Sarkozy verurteilte den «Akt des Vandalismus». Es sei nicht hinnehmbar, dass internationale Spannungen zu Gewalt in Frankreich führten. In dem Land lebt die grösste muslimische Gemeinde Europas. Während der Intifada im Jahr 2002 verliessen 2300 Juden Frankreich, weil sie sich nicht mehr sicher fühlten.

Am Samstag waren bei propalästinensischen Demonstrationen in Paris israelische Fahnen verbrannt und antisemitische Parolen laut geworden. «Dass sich der Hass in unseren Strassen zeigt, ist sehr beunruhigend», sagte der Präsident der Organisation SOS Racisme, Dominique Sopo.

Auch ein Haus der jüdischen Gemeinde im südschwedischen Helsingborg wurde Montagnacht attackiert. «Jemand zerschlug ein Fenster und warf etwas Brennendes hinein», sagte Polizeisprecher Leif Nilsson. Nachbarn alarmierten die Feuerwehr, bevor sich der Brand ausbreiten konnte. An die israelische Botschaft in Stockholm schmierten Unbekannte am Sonntag Parolen: «Ihr habt die Waffenruhe gebrochen» und «unterzieht Palästina keiner ethnischen Säuberung».

Die Herkunft verleugnen

In der dänischen Stadt Odense verletzte ein palästinensischer Einwanderer in der vergangenen Woche zwei Israelis mit Schüssen. Die Opfer verkauften Haarpflegeprodukte in einem Einkaufszentrum. «Vor wenigen Tagen riefen Jugendliche ‚Schlachtet alle Juden ab‘», berichtete Geschäftsführer Eli Ruvio. «Ich hab meinen Angestellten geraten, nicht mehr hebräisch zu sprechen und ihre Herkunft zu verleugnen. Wenn sie jemand fragt, sollen sie niemals sagen, sie kämen aus Israel.»

Auch die Schiesserei in Dänemark könnte nach Einschätzung der Ermittler mit der Gaza-Krise zusammenhängen, die am 27. Dezember eskalierte. In Grossbritannien ist es seitdem zu 20 bis 25 antisemitischen Vorfällen gekommen, schätzt der Community Security Trust, eine jüdische Sicherheitsorganisation. Erst am Sonntag wurde ein Brandanschlag auf eine Synagoge in Nordlondon verübt. Unbekannte sprühten eine Flüssigkeit in den Eingang und zündeten sie an.

In der vergangenen Woche wurden Passanten in einem überwiegend von Juden bewohnten Viertel der Stadt angepöbelt. Eine Gruppe von knapp 20 Jugendlichen habe sie mit ‚Juden‘ angeschrien und ‚Freies Palästina‘ gerufen, sagte der Sprecher von Community Security Trust, Mark Gardner. «Es könnte noch schlimmer werden.»
Quelle: AP