Archiv für Mai 2009

nach kurras jetzt bachmann?

nachdem die deutsche geschichte vom nationalsozialismus bereinigt wurde (guido sei „dank“) wird nun auch die nachkriegsgeschichte einer gründlichen neubetrachtung unterzogen. als glücksfall dafür erweist sich die entdeckung, dass kurras, der benno ohnesorg erschoss, mitarbeiter des ministeriums für staatssicherheit der ddr war. denn damit braucht niemand mehr über das gesellschaftliche klima in deutschland in den 1960ern reden, muss kein wort mehr über die in die brd gerettete volksgemeinschaft („geht doch nach drüben“, „die langhaarigen gehören ins arbeitslager“, „unterm adolf hätts das nicht gegeben“ – liste beliebig verlängerbar) verloren, die hetze der bild-zeitung ausgeblendet werden. auch vollkommen egal wird es, dass es die westdeutsche justiz war, die kurras freisprach, es war der westdeutsche bürgermob, der 1968 gegen die „roten“ demonstrierte und am rande fast einen unbeteiligten lynchte, weil irgendjemand meinte, dutschke zu erkennen. ein anfang ist also gemacht und es geht rasend schnell weiter.
wolfgang kraushaar darf in der frankfurter rundschau über das dutschke-attentat und den attentäter bachmann spekulieren. ausgangspunkt ist ein brief von dutschke, in dem er angst davor äußert, vom sowjetischen/ddr-geheimdienst ermordet zu werden. ein sohn dutschkes hat inzwischen eine anfrage bei der birthler-behörde gemacht, um eine evtl. zugehörigkeit von bachmann zu erforschen. kraushaar konstatiert zwar, dass sich der sohn in der zeit geirrt habe (attentat 68, brief von 75), nimmt aber die spekulationen kurz später wieder auf. die schlagenden anhaltspunkte: bachmann kam aus der ddr und sein nazismus sei zu plakativ gewesen, denn er hatte ein hitler-poster in seiner wohnung. außerdem – und das muss nun wirklich als beweis gelten – finden sich überhaupt keine hinweise auf bachmann in den stasi-akten.
schließlich kommt kraushaar dann doch auch mal auf den westberliner verfassungsschutz zu sprechen und dessen agent provocateur urbach. aber auch hier die vollkommen spekulative wendung: es sei nicht auszuschließen (schließlich gibt es nicht einen einzigen hinweis darauf), dass er auch für andere (also die des ostens“) geheimdienste tätig war.
die geschichte der neuen linken ist damit keine mehr einer Auseinandersetzung zwischen antiautoritären ideen und einer postnazistischen volksgemeinschaft, sondern eine des bösen kommunismus, der den westdeutschen auch die damals so geliebte protestbewegung versauen wollte.
was kommt als nächstes: krahls unfallauto mitglied der stasi? die tomaten auf die sds-eminenzen, stasi-attacken?

was auf jeden fall festgestellt werden kann: auch 20 jahre nach ende des real existierenden sozialismus finden die deutschen mittel und wege, eines ihrer liebsten kinder – den antikommunismus – zu retten und zu erneuern.
das ist alles zu blöd, um nicht wahr zu sein.

Спасибо, thanks, merci