Archiv für Juli 2009

auf der höhe der zeit?

kleiner bericht der vorstellung der …umsganze-broschüre „staat, weltmarkt und die herrschaft der falschen freiheit“ in frankfurt.

das umsganze-bündnis hat ja, wie seit geraumer zeit bekannt, die erste von drei geplanten broschüren kürzlich herausgebracht. nun wurde diese von der autonomen antifa f vorgestellt. zunächst wurde das ziel des selbstverständigungsprozesses in broschüren- und veranstaltungsform genannt: das infragestellen vermeintlicher linker gewissheiten um eine kritik auf der höhe der zeit zu formulieren. die floskel „auf der höhe der zeit“ wurde überstrapaziert und ersetzte, soviel vorweg, eine konkret empirische auseinandersetzung mit der gegenwärtigen zeit, auf deren höhe ja die kritik sein sollte.
neun thesen wurden vorgestellt:
1) im zentrum der kritik steht der sich selbst verwertende wert, was als das ökonomische begriffen wurde und dies noch mit den begriffen tausch und konkurrenz charakterisiert wurde. das politische wurde bestimmt als allgemeine regulation des ökonomischen prozesses. mit dem politischen sei auch die nationale subjektivierung gesetzt.

2) der staat ist der ort der allgemeinen politischen regulation

3) der staat ist also gesellschaftsplaner/ u.a. mittels des instruments (sic!) des rechts. der staat macht und tut nach innen und außen alles um der aufgabe der regulation zu entsprechen.

4) daraus folgt ein interesse des staates an sich selbst. (die begründung dafür habe ich irgendwie verpasst, es war auf jeden fall nicht im sinne offes, der dieses interesse des staates an sich selbst ja mit dem theorem der strukturellen selektivität verknüpft hatte, wenn ich mich richtig erinnere. da muss wohl viel banaler argumentiert worden sein.)

5) der weltmarkt beschneidet die möglichkeiten des staates zur allgemeinen politischen regulation

6) staat bringt seine staatsbürger in ein boot. „objektiv“, da alle im wettbewerb stehen.

7) nationalismus ist das subjektive nachvollziehen der objektiven zwangslage

8) nicht alles ist von der ökonomie ableitbar, sondern hängt von der stellung im weltmarkt ab (ja das wurde so formuliert)

9) daraus folgt als praxis: dilemma der politik benennen, der abschied von der kritik des spezifischen deutschen nationalismus, was sinngemäß damit begründet wurde, dass jetzt vielmehr ein europäischer nationalismus herrsche, der völkische wäre vergangenheit, damit könne man es auch sein lassen „mit moralischer empörung“ auf auschwitz hinzuweisen.

folgende main points of critique wurden formuliert:

a) diese theorie kennt keine realen widersprüche, sondern ist eine funktionalistische ableitung des staates aus der konkurrenz
b) aufgrund der unkenntnis der dialektik wird der gesellschaftliche prozess der subjekt-objekt-bewegung einseitig im objekt aufgelöst. dazu passt, dass kein begriff des subjekts entwickelt wird, sondern das subjektive nur als nachgeordneter reflex des objektiven behandelt wird. der tod des subjekts wird proklamiert.
c) die broschüre ist nicht nur geschlechterblind, sondern rutscht ins tendenziell antifeministische ab, indem die patriarchalen strukturen der gesellschaft nochmals unreflektiert in den theoremen der broschüre ungebrochen sich ausdrücken (frauen als reine manövriermasse der nationalökonomie).
d) „rasse“; kultur, religion und geschlecht als kollektive identitäten aufzufassen (wird in der broschüre gemacht) ist hanebüchener unsinn.
e) sie versuchen eine abstrakte kritik zu entwerfen, ohne sich über den stellenwert des abstrakten in ihrem logischen gefüge bewusst zu sein. daraus folgt, dass das verhältnis zwischen historisch-konkreter bewegung und abstrakten bestimmungen zugunsten letzterer aufgelöst wird, das historisch-konkrete bleibt den abstrakten funktionen nachgeordnet und reflex.
dieses sei zurückzuführen auf die falsche bestimmung der ökonomie als konkurrenz. denn die wesentliche begründung des historischen materialismus, bei der wirklichen tätigkeit der menschen zu beginnen, und damit die spezifische form der ausbeutung im kapitalismus zu begreifen, wird links liegen gelassen und nicht weiter beachtet. der abstrakte konkurrenzkapitalismus ist, wenn man umsganze folgen würde, einer ohne ausbeutung.
f) zudem bestimmen sie am ende auch auschwitz als erklärbar mittels kapitalistischer rationalität. der ns wird so zum exzess der konkurrenz, aber die differentia specifica, das umschlagen der zweckrationalität in den unbegreifbaren industriellen massenmord wird gar nicht mehr versucht zu denken. stattdessen fällt das linksradikale bündnis in konservative positionen der prinzipiellen erklär- und vergleichbarkeit von auschwitz zurück.

fazit: kritik auf der höhe der zeit nach umsganze-art, heißt anscheinend, abstrakte bedingungen zu hypostasieren, die bürgerliche ideologie der standortkonkurrenz so wörtlich zu nehmen und daraus abzuleiten, dass das alte nicht mehr zählt und jetzt eine neue zeit begonnen habe. eine linksradikale schlussstrichtheorie, die überhaupt keinen begriff von geschichte hat, keine ahnung vom verhältnis des logischen zum historischen und im prinzip als konsequenz ihrer eigenen theorie von jeglicher praxis abstand nehmen müsste, da emanzipatorische praxis unbegründbar bleibt, wenn alles nur nachgeordneter reflex der abstrakten funktionalität sei.

classwar’s next top-transpi

lea möge mir verzeihen, ob der entwendung der next top-transpi-kategorie, aber wenn arbeiter_innen drohen, fabriken in die luft zu sprengen und die ernsthaftigkeit ihrer unternehmung mit untenstehendem transpi unterstreichen, das ist schon toll!

oi!oi! working class!