„i am under attack“

folgendes ist aus einer mail, die über mehrere seriöse verteiler kam, rauskopiert.

betreffend Ungarn, wo nach dem Erdrutschsieg der völkischen FIDESZ und der faschistischen Jobbik mittlerweile offenbar alle Dämme brechen. Siehe unten ein Mail des > bekannten Philosophen G. M. Tamás, einer der Betroffenen, das zur Zeit > leider meine einzige Infoquelle ist – offenbar alles sehr eilig. Wenn > wer was ergänzen kann, würd ich mich freuen. Die Petition selbst ist > (bis jetzt) leider nur auf Ungarisch. Siehe hier: > http://www.petitiononline.com/MTAFKInt/ >

Dear friends, please sign the petition above, you & your numerous friends. > I and three others had been fired from the Institute of Philosophy of > the Hungarian Academy of Sciences, 13 more will follow incl. ALL poeple from the Lukács Archives. It is the doing of the right-wing attack on > liberties, livelihood, intelligentsia etc. This protest is aimed at the Academy, it is simple & straightforward. it is in Hungarian, but there is no time for it to be translated now. PLEASE, PLEASE, sign it & make people to sign it quick, of course it would be useful if some big names would appear. Sorry for the hurried message, but I am under attack – > press, tv, and so on, there’s a huge scandal here. > Thank you very much in advance, > G M Tamás

mittlerweile gibt es auch eine englische version der petition:

János Boros, the director of the Institute of Philosophical Research of the Hungarian Academy of Sciences since the beginning of 2010, has repeatedly called the majority of the fellows of the Institute incompetent. Adding insult to injury, in an interview broadcast last week he asserted that they are ignorant even of the most elementary matters of our profession. We urge the friends of philosophy, both philosophers and non-philosophers, in Hungary and abroad, who care for the variety, broadness, quality and freedom of philosophical culture in Hungary, to protest against the practices of János Boros, unprecedented in recent decades at the Hungarian Academy. Once he has taken up his office, János Boros introduced intimidation, confrontation and deceit at the Institute on a day to day basis, including the directorial order that everything happening at the Institute should have the status of an official secret (unless declared otherwise), a move which was duly struck down later by the Ombudsman for Data Protection and Freedom of Information. During the summer János Boros issued ad hoc evaluations, declaring fifteen of the twenty-three fellows of the Institute „incompetent“ (this is equivalent to firing them under Hungarian law). Later he himself admitted that these evaluations had only limited validity, and were not issued in the legal framework required by the relevant laws. József Pálinkás, president of the Hungarian Academy of Sciences, also stressed that the „evaluations“ do not have legal status. Nevertheless, in spite of the protests of the Committee of Philosophy of the Hungarian Academy of Sciences, and the unambiguous statement of the president of the Academy, János Boros has recently started to dismantle the Institute, by initiating the dismissal of five fellows (Sándor Ferencz, Pál Horváth, János Laki, Miklós Mesterházi and Gáspár Miklós Tamás), and indicating that there will be more to follow. In signing this petition we join the protest in Hungary and abroad, and urge the Hungarian Academy of Sciences that they should not turn a blind eye to this rampaging, lacking legitimate professional considerations and contravening fundamental procedural and legal requirements.

es scheint ziemlich heftig zu sein, was in ungarn abgeht. hier tamás über die oben benannte partei namens jobbik in einem interview aus 2009:

Ich denke, es herrscht wirklich eine rechtsextreme Stimmung im Land. Diese wird vor allem vom jungen Mittelstand getragen: von Intellektuellen, BeamtInnen, StudentInnen, LehrerInnen, ÄrztInnen usw. Diese Stimmung ist aber auch stark in den Dörfern zu spüren, wo die Roma-Bevölkerung lebt.
Das hat unter anderem viel mit dem Scheitern der Politik der letzten Jahre zu tun. Die so genannte linksliberale sozialdemokratische Regierung hat eine konsequent neoliberale Wirtschafts- und neokonservative Sozialpolitik betrieben – dagegen gab und gibt es großen Widerstand.
Außerdem werden in Ungarn alte Feindbilder heraufbeschworen, wenn es darum geht, Verantwortliche für die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes zu finden. So ist etwa von „Judobolschewisten“, also von ehemaligen Kommunisten, die jetzt Milliardäre sein sollen, die Rede; von „den Juden“ – den „Agenten des kosmopolitischen Weltkapitalismus“ – und von den Roma, die in der rechten Presse als „genetische Schädlinge“ bezeichnet werden. Und natürlich auch vom Ausland, von „dem Westen“. Es kann durchaus von einem dreiviertel-faschistischen Klima gesprochen werden. Gewalttaten sind keine Seltenheit: hauptsächlich wird – noch – psychischer Terror ausgeübt, aber es gab auch schon Attentate, Serienmorde an Roma. Sozialistische und liberale PolitikerInnen werden bespuckt, verprügelt usw. Ein neofaschistisches Terrorkommando aus Ungarn wurde jüngst in Bolivien enttarnt und gefangen genommen. Sie waren im Dienste der weiß-suprematistischen Kräfte in der Region Santa Cruz, wo sie gegen das linkssozialistische Regime Evo Morales’ gewalttätig vorgehen sollten. Die Stimmung in Ungarn ist wirklich sehr angespannt.
Das angeblich so fortschrittliche Regierungslager verliert gerade den letzten Rest an Popularität. In dieser Lage entstehen natürlich auch neue Strömungen.Unter diesen sind auch ein paar wenige linkgerichtete Kräfte zu fi nden, aber vor allem gibt es eine aus rechter Sicht viel versprechende, junge faschistische Partei mit dem Namen Jobbik, was „die Bessere“ oder auch „die Rechte“ heißt – das ist ein Wortspiel. Diese Partei verfügt auch über paramilitärische Truppen, die „Ungarischen Garden“, die in den faschistischen Uniformen der Pfeilkreuzler aus den dreißiger Jahren auf und ab marschieren und in Schützenvereinen den Umgang mit Waffeen trainieren.
Das kündigen sie übrigens auch ganz offen an. Diese paramilitärischen Einheiten werden gemeinsam mit den so genannten Bürgerwachen (halbamtlichen „Vigilanten“) in einigen Gebieten Ungarns von großen Teilen der Bevölkerung als Aufrechterhalter der öff entlichen Ordnung anerkannt und sogar von Bürgermeistern persönlich gebeten, durch die Straßen zu patrouillieren und Präsenz zu zeigen. Das ist wirklich schlimm.