Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Werbung für ein kleines Symposium

Access denied. Zur Kritik der Gesellschaft und ihrer Soziologie

im ivi, Frankfurt am Main

Mit Gerhardt Stapelfeldt, Nadja Rakowitz und Roswitha Scholz

Hier der Ankündigungstext, Programm ist auf der Symposiums-Page zu finden.

Im Herbst dieses Jahres lädt die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) zum Jubiläumskongress an der Goethe-Uni (GU) Frankfurt. Exakt ein Jahrhundert ist vergangen, seit der erste Kongress der DGS in Frankfurt abgehalten wurde – nun ist er zurückgekehrt und jubiliert unter dem thematischen Dach der transnationalen Vergesellschaftung, deren Analyse mit einer Reflexion über die Entwicklung des Fachs verbunden werden soll. Bei dieser Gelegenheit versäumt es die GU natürlich nicht auf die „Bedeutung des Veranstaltungsorts für die akademische Disziplin“ und auf die prägende Rolle nicht etwa der Kritischen Theorie, sondern – standortförderlich – der „Frankfurter Schule“ hinzuweisen, um sie sogleich und in bereits gewohnter Manier in einer „groß angelegte(n) Ausstellung über ‚100 Jahre Soziologie in Frankfurt’“ zu musealisieren.[1]

Mit dem Gegensymposium, das am 16. Oktober im „Institut für vergleichende Irrelevanz“ ebenfalls in Frankfurt stattfinden soll, wollen wir demgegenüber versuchen, die von der kritischen Theorie erreichte Stufe gesellschaftstheoretischer Reflexion und der Selbstreflexion „wissenschaftlichen“ Arbeitens aufzunehmen und einen eigenständigen, kritischen Blick auf die Entwicklung der Soziologie zu werfen. Prägend und bedeutsam scheint in dieser Entwicklung neben der Verfachlichung und fachinternen Differenzierung vor allem die Entsorgung und Entschärfung eines kritischen Denkens und Forschens, das sich nicht von der Frage nach der unmittelbar praktischen Nützlichkeit in die Schranken weisen lässt. Die im Programmheft des diesjährigen Kongresses der DGS – immerhin – konstatierte „Permanenz der Krise“ verleitet nur noch zu der Einsicht in die „Notwendigkeit einer soziologischen Zeitdiagnose“ (Programmheft, S. 14), mit deren Hilfe praktische „Problemlösungsstrategien“ entworfen werden sollen, in denen die Vergesellschaftungsformen von „Markt“ und „Staat“ (Programmheft, S. 11) zur unhinterfragten Voraussetzung gerinnen. In dieser Soziologie als einer universellen Beratungsagentur scheint kaum mehr ein Raum für die notwendige Kritik der Gesellschaft als Krise in Permanenz zu existieren, eine Kritik, durch die negativ der Gedanke an die Möglichkeit einer vernünftigen gesellschaftlichen Einrichtung bewahrt bleiben könnte. Diejenigen, die sich noch auszusprechen wagen, dass die Möglichkeit erstickt zu werden droht, finden sich innerhalb der soziologischen Zunft in der Regel marginalisiert.

Vor diesem Hintergrund soll das Gegensymposium einen Raum für die Diskussion von Positionen und Reflexionen bieten, die sich dem Diktat der unbedingten Effizienz verweigern und (selbst-)kritisch an dem Programm der Verwirklichung der Vernunft festhalten.
Mit Vorträgen von Gerhard Stapelfeldt, Nadja Rakowitz, Roswitha Scholz und der Vorbereitungsgruppe des Symposiums (siehe Programm)

[1] Die Zitate sind einer Pressemitteilung der GU vom Oktober 2009 entnommen.

aus aktuellem anlass (II)

Feuerbach geht aus von dem Faktum der religiösen Selbstentfremdung, der Verdopplung der Welt in eine religiöse, vorgestellte und eine wirkliche Welt. Seine Arbeit besteht darin, die religiöse Welt in ihre weltliche Grundlage aufzulösen. Er übersieht, daß nach Vollbringung dieser Arbeit die Hauptsache noch zu tun bleibt. Die Tatsache nämlich, daß die weltliche Grundlage sich von sich selbst abhebt und sich, ein selbständiges Reich, in den Wolken fixiert, ist eben nur aus der Selbstzerrissenheit und dem Sich-selbst-widersprechen dieser weltlichen Grundlage zu erklären. Diese selbst muß also erstens in ihrem Widerspruch verstanden und sodann durch Beseitigung des Widerspruchs praktisch revolutioniert werden. Also z. B., nachdem die irdische Familie als das Geheimnis der heiligen Familie entdeckt ist, muß nun erstere selbst theoretisch kritisiert und praktisch umgewälzt werden.

karl marx, thesen über feuerbach, 4.these

heute gehts mal wieder auf die straße

Am Montag den 07.12. um 18 Uhr ruft das Protestplenum zur einer landesweiten Demonstration „Gegen die autoritäre Hochschule – in Frankfurt und anderswo!“ auf. Treffpunkt hierfür ist vor dem Cafe KoZ.

anlass ist die räumung des besetzten casinos am ig-farben-campus letzten mittwoch sowie die folgenden lügen des uni-präsidenten usw.

weiteres: hier, hier und eine ausführliche zusammenfassung hier

indeterminate revolution! kongress in frankurt 27.-29.11.09

Der Kongress könnte ein Forum sein kritisch über Spannungsfelder, Grenzen und Möglichkeiten der Revolution nachzudenken. Was kann das Konzept Revolution heute noch bedeuten? Welche Formen von Revolution gibt es eigentlich? Wie grenzen sich diese von anderen Weisen sozialer Veränderungen wie der Reform oder der Subversion ab? Worin unterscheidet sich die Revolution von der Utopie? Gibt es eine spezifische Zeitlichkeit von Revolution? Was passiert danach? Wie können wir über historische Revolutionen sprechen und nachdenken und lassen sich diese aktualisieren? Ist Revolution im Angesicht der „Trümmer der Vergangenheit“ überhaupt noch denkbar? Wohin mit den scheiternden Revolutionen? Wie kann man über das Leid und den Terror vergangener Revolutionen sprechen, ohne das in ihnen entfachte Begehren nach einer ganz anderen Welt zu diskreditieren? Wie ist das Verhältnis von Revolution und Gewalt? Ist eine Revolution ohne Gewalt überhaupt denkbar? Braucht Revolution eine Avantgarde? Wer ist das revolutionäre Subjekt? Welche Rolle spielen vergangene Revolutionen in der Theoriebildung und politischen Praxis heute? Wie wurde und wird der Begriff der Revolution theoretisch diskutiert? Was wird heute unter revolutionärer politischer Praxis verstanden?

Indeterminate! verstehen wir als Aufruf, Unhinterfragtes zu hinterfragen – als Möglichkeit, den Begriff von Revolution selbst zu revolutionieren.

den gesamten aufruf sowie das programm findet ihr auf der kongress-page: indeterminate revolution

antisemitismus entgegentreten

am 13.12. findet in hamburg eine demonstration aufgrund der verhinderung der vorführung des films „warum israel“ vor einigen wochen statt. im folgenden der aufruf:

antisemitische schläger unmöglich machen – auch linke

Am Sonntag, den 25.10.2009, verhinderten Antisemitinnen und Antisemiten gewaltsam eine vom Hamburger Programmkino b-movie und der Gruppe Kritikmaximierung geplante Vorführung von Claude Lanzmanns Film »Warum Israel«.

Mitglieder des »Internationalen Zentrums« B5, der Gruppe »Sozialistische Linke« (SoL) und der »Tierrechtsaktion Nord« (TAN), die sich mit Mundschutz und Quarzsandhandschuhen auf eine körperliche Auseinandersetzung vorbereitet hatten, verweigerten den Gästen den Zugang ins Kino. Besucherinnen und Besucher wurden dabei gezielt ins Gesicht geschlagen und als „Schwuchteln“ und „Judenschweine“ beschimpft. Auch in den Tagen darauf wurden Gäste, die von Blockadebeteiligten auf der Straße wiedererkannt wurden, bedroht und, in mindestens einem Fall, auch tätlich angegriffen.

In einer offiziellen Stellungnahme rechtfertigte die B5 die Gewaltausbrüche inhaltlich und tat sie als „kleinere Rangeleien“ ab. Diese Erklärung strotzt abermals vor antisemitischen Klischees: So wird etwa „der Zionismus“ als „rassistisches Projekt“ bezeichnet, mittels dessen „künstlich der jüdische Charakter gewahrt werden“ solle. Denn als künstlich gilt der antisemitischen Denkweise immer das jüdische, als natürlich aber alle anderen Völker.

Wir halten es für unerträglich,

* dass ein Kino sein Programm vom Wohlwollen einer benachbarten Aktion Saubere Leinwand abhängig machen soll;
* dass Linke sich als antisemitischer Kampftrupp formieren, um missliebige Veranstaltungen zu Israel zu unterbinden;
* dass ein Film von Claude Lanzmann, französischer Jude, Résistancekämpfer und Regisseur von »Shoah«, der bedeutendsten Dokumentation über die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, in Deutschland zum Angriffsziel einer militanten Blockade werden kann.

»Warum Israel« (1973) zeigt nicht bloß die verschiedenen Facetten der israelischen Gesellschaft. Es geht darin, aus der Perspektive eines Diasporajuden, um die Bedeutung des jüdischen Staates als Konsequenz aus der Shoah. Wer, wie die B5, die Vorführung eines solchen Films als „Provokation“ versteht, der nur mit Gewalt beizukommen sei, steht auf der Seite der Barbarei.

Dieses Spektrum ist seit Jahren dafür bekannt, seinen Antisemitismus gewaltförmig auszuleben. Es sind die gleichen, die sich 2002 mit Gewalt Zutritt zum Freien Sender Kombinat (FSK) verschafften und dort einen Kritiker ihres Israelhasses fachmännisch zusammenschlugen; die auf einer antifaschistischen Demonstration im Januar 2004 die Trägerinnen und Träger eines Transparents »Deutschland denken heißt Auschwitz denken« von der Kundgebung prügelten; die seither bei zahlreichen Gelegenheiten Menschen, die Israelfahnen oder -buttons trugen oder aus anderen Gründen nicht in ihr Weltbild passten, bedroht, geschlagen oder mit Flaschen und Steinen beworfen haben.

Was es diesen Gruppen um die B5 bislang stets erlaubt hat, ihre Übergriffe weiter fortzusetzen, ist die Tatsache, dass sie von der Mehrheit der Linken und Alternativen entschlossene Gegenwehr nicht zu fürchten hatten. Kaum jemand der Linken steht ausdrücklich auf ihrer Seite; aber allzu viele waren dennoch bereit, ihnen ihr Plätzchen im Bündnis, auf dem Stadtteilfest oder sonst wo in der Szene freizuhalten.

Weil wir wissen, dass es ebenso verantwortungslos wie gemeingefährlich wäre, Antisemitinnen und Antisemiten gewähren zu lassen; weil wir wissen, dass die Schlägerinnen und Schläger mit jedem Erfolg nur stärker werden – daher halten wir es für unabdingbar, dass am 13.12., bei der Neuansetzung von »Warum Israel« im b-movie, der Film auf jeden Fall gezeigt wird.

Um die Angreiferinnen und Angreifer vom 25.10. politisch zu isolieren und eine Wiederholung ihres antisemitischen Gewaltspektakels zu verunmöglichen, rufen wir für diesen Tag zu einer Demonstration zum b-movie auf.

Auftaktkundgebung: 13.30 vor der Roten Flora
Abschlusskundgebung: 15.00 vor dem B-Movie

(Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten, 18.11.09)

weitere infos gibt es hier und auch bei cosmoproletarian solidarity

am rande: bolz und die aufklärung

in einer serie zur „sozialen frage“ oder zum „sozialstaat“ in der frankurter rundschau erklärt der professor norbert bolz das regierungshandeln von 1873 bis 1970:

Das liberale Laisser-faire endete nämlich schon 1873 mit dem Wiener Börsenkrach. Seither begannen die Regierungen zu regulieren. Sie entwickelten Schutz- und Sicherheitspläne, am prominentesten Bismarck mit seiner Erfindung der Sozialversicherungen. Hundert Jahre lang, auch durch die schreckliche Zeit der Weltkriege und des Schwarzen Freitags hindurch, durfte sich Regierungshandeln als Aufklärung des Kapitalismus begreifen.

Erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erlosch diese „progressive“ Stimmung: der „Öl-Schock“, das freie Floaten der Leitwährung Dollar seit Richard Nixon und die Stürme der Studentenbewegung zeigten an, dass wir in eine Welt des beweglichen Ungleichgewichts eingetreten sind, in der nur die Ungewissheit gewiss ist.

interessant. nationalsozialismus, faschismus, franco-regime: alles regierungshandeln als aufklärung des kapitalismus.
wie kommt man auf so einen unsinn?

veranstaltungstips

wer morgen nachmittag (also montag 2.11.) noch nix zu tun hat, dem_der seien drei veranstaltungen im ivi empfohlen:

16h
Workshop: Das Forschungsprojekt “Staatsprojekt Europa”. Mit Sonja Buckel und Jens Wissel

Das Forschungsprojekt untersucht die Veränderungen politischer Herrschaft durch die Europäisierung und Transanationalisierung von Staat und Recht am Beispiel der Migrationskontrollpolitik der EU. Dabei betrachteten wir diese Veränderungen aus drei Perspektiven: 1. den gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen, 2. den staatlichen sowie den 3. rechtlichen Praxen dieses Prozesses jeweils in den Ländern BRD, Großbritannien und Spanien. Dabei soll die Analyse der Widersprüche des europäischen Grenzregimes zugleich ein Beitrag zu einer kritischen Europaforschung sein. In der gemeinsamen Diskussion wollen wir unsere theoretischen Prämissen und methodischen Vorgehensweisen vorstellen. www.staatsprojekt-europa.eu

18h
Zur Kritik der Broschüre „Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit“ des umsGanze-Bündnisses. Vorstellung der Ergebnisse einer Arbeitsgruppe im ivi
Nach Veröffentlichung der Broschüre „Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit“ des umsGanze-Bündnisses gründete sich im IvI eine Arbeitsgruppe, um sie zu diskutieren. Grundsätzlich begrüßen wir die Veröffentlichung, weil sie nach langer Zeit den außerinstituionellen Versuch darstellt, eine inhaltliche Auseinandersetzung um Staat und Formen unpersönlicher Herrschaft zu führen. Das Ergebnis halten wir allerdings an vielen Punkten für unzulänglich und kritikwürdig. Vorgestellt wird daher die vielfältige Kritik, die nun nicht als einheitliche Linie daherkommt, sondern aus verschiedenen Perspektiven und Theorieansätzen formuliert wird. Zugleich werden die verschiedenen Texte zur Kritik der Broschüre ebenfalls als kleine Broschüre veröffentlicht. In der Veranstaltung sollen die Hauptkritikpunkte thesenartig vor- und zur Diskussion gestellt werden.

Referent_innen: ivi

19h
kantine: konkretes essen für kleines geld.

20h
Zum Begriff der Totalität bei Adorno – Vortrag von Thomas Zoeller

Der Begriff der Totalität ist einer der schwierigsten und schillerndsten der kritischen Theorie. Zugleich ist Totalität auch der mit am häufigsten angegriffene, sei es von positivistischer Seite oder von denjenigen Theorien, die gar keine „große Erzählung“ mehr zulassen möchte.
Mit diesem Vortrag soll sich über die Bezüge insbesondere zu Hegel Adornos Totalitätsbegriff genähert werden.

der gegenstandpunkt und die kritische theorie

nur ganz kurz und nebenbei:
zufällig bin ich mal wieder durch die blogwelt gestolpert (gewilft, wie der fachausdruck wohl ist) und bin dabei auf eine große debatte gestoßen, deren anlass ein noch größerer vortrag von peter decker zur kritischen theorie ist. besserscheitern macht prinzipiell das einzig richtige, und erteilt dem schwachsinn des herrn decker eine absage. aber wie es so ist, kommt ein „argumentprüfer“ um die ecke und nörgelt herum. dabei trifft diesen argumentprüfer eine „kritik“ des herrn decker an der kritischen theorie: er geht vorurteilsbeladen an den gegenstand. denn sonst müsste er ja mal die „argumente“ des herrn decker prüfen. tut er aber nicht. er glaubt ihnen. obwohl doch ein kurzer blick auf den zitatezettel zur veranstaltung schon genügt, um etwas ganz einfaches festzustellen: der herr decker kann nicht zitieren1 und er kann auch zeitabfolgen nicht richtig sortieren. er legt sich also alles so hin, wie er es will. da braucht auch der vortrag (den ich mir ca 15 minuten anhörte, bevor ich es mit einer mischung aus lachen und angewidert sein ob soviel dummheit wieder ausmachen musste), nicht gehört zu werden.
trick 1: der zitatezettel hebt an mit der überschrift „1. Darf man nach Auschwitz noch philosophieren? Und wenn ja, wie?“ und bringt zur illustration zwei zitate, eins von adorno aus der negativen dialektik und eins aus von horkheimer aus dem aufsatz „die gesellschaftliche funktion der philosophie“, den er 1940 veröffentlichte. moment. philosophie nach auschwitz, darüber dachte horkheimer also 1940 nach? merkwürdig, geht doch gar nicht. also geht es decker gar nicht um die frage der philosophie nach auschwitz. zugleich unterstellt er dem satz von horkheimer („Die wahre gesellschaftliche Funktion der Philosophie liegt in der Kritik des Bestehenden“) seinen eigenen begriff des „bestehenden“, denn nur so kann er zu dem quatsch kommen, ob denn auch ein kaltes bier zu kritisieren sei. anstatt also zu erläutern, was denn horkheimer mit dem bestehenden meint, unterstellt ihm decker das, was ihm in den kram passt.
trick 2: er erwartet von der „dialektik der aufklärung“ ganz offensichtlich eine eindeutige definition von „aufklärung“. bzw. er nimmt seinen eigenen begriff von aufklärung und versucht – freilich ohne das zu sagen – mithilfe seines begriffs nun das einleitungskapitel über den begriff der aufklärung zu verstehen. das geht selbstverständlich in die hose und lässt die kritischen theoretiker natürlich dumm dastehen. decker schafft es also, seine eigene dummheit als die von anderen erscheinen zu lassen.
anstatt also den begriff der aufklärung zu entfalten, wird der eigene unterstellt und mit den zitaten konfrontiert. so kann decker dann naturbeherrschung von sowohl von ihrer gesellschaftlichen form als auch von der aufklärung abkoppeln und aufklärung als rein geistiges bestimmen, was sowohl marx als auch der kritischen theorie widerspricht.
bis dahin hab ich es also gehört und festgestellt, decker hält eine fröhliche erzählstunde, die allerdings die aussagen der kritischen theorie überhaupt nicht erfasst, sondern sein urteil dreht sich gegen ihn selbst. er verbreitet sein eigenes vorurteil.

diskussionen gibts da:

http://besserscheitern.wordpress.com/2009/10/25/1304/
http://geprueftesargument.blogsport.de/2009/10/29/die-kritische-theorie-und-ihre-glaeubigen-adepten/

zitate und vortrag von decker da lang:
http://www.sozialreferat.com/zitate_krittheorie.htm

  1. so wird aus einem „für“ schon mal ein „als“, aus dem diktum „das ganze ist das unwahre“ wird „das ganze ist das falsche“. das ist nicht nur schludrig gearbeitet, sondern zugleich auch noch irreführend, da die sätze somit auch entstellt werden. [zurück]

dumm, dümmer, rote fahne

auf der website der„roten fahne“ ist auch ein bericht zum gestrigen club voltaire-spektakel veröffentlicht. er fasst sehr schön das paranoide weltbild seines schreibers zusammen. schon die überschrift ist sehr hübsch: „Das Imperium schlägt zurück – und schickt seine neue SA“. er schreibt, dass die veranstaltung „angegriffen“ worden wäre, elias davidson wäre auch von antideutschen „angegriffen“ worden, die kritiker_innen der veranstaltung werden zu „gewalttätern“ stilisiert und selbstverständlich nochmals als „sturmabteilung der imperialen rechten“ bezeichnet. gleichzeitig während bekennende nazis in berlin bei der abschlusskundgebung einer demo “die Antifaschisten, denen wir heute gegenüberstanden” zur “Schutzmacht des internationalen Kapitals” erklärten. ein schelm, wer hier eine übereinstimmung entdeckt. zurück zum gestrigen abend:
wenn der protest denn so gewalttätig war, warum konnte dann davidson wie unten berichtet sich 10 minuten lang beschweren, inmitten unter den gewalttätern der neuen sa? warum konnte einer – ich nehme an es war der schreiberling der roten fahne – bis auf gelächter und ein paar kritische schreie zu ernten, unbehelligt durch die reihen der neuen sa marschieren und seine leier vom faschistischen zionismus ablassen?
vielleicht sollte er lieber nochmal die methoden der historischen sa studieren, die sicherlich nicht mit flugblättern gegen antisemitismus, homphobie und sexismus agitiert hat. auch hat die historische sa meines wissens nach nicht allzu häufig bei arbeiterläden im vorfeld von veranstaltungen die diskussion gesucht.
naja, komisch, dass bei dieser gewalttätigkeit der club voltaire heute noch steht. das müssen „wir“ jetzt leider irgendwie dem imperium erklären, wie denn eine solche nachlässigkeit vorkommen konnte.

kurzer bericht vom spektakel

gestern also spielte die bandbreite, eingeladen von den pathischen projektoren der arbeiterfotografie, im frankfurter club voltaire. der einladung zur veranstaltung folgten wohl so ca. 80 leute, größtenteils das typische hip-hop-publikum, also ältere menschen. böse könnte man sagen, es handelte sich um einen ausflug des altersheims raf-sympathisantensumpf. aber damit würde dem raf-sympathisantensumpf unrecht getan, so debil wie sich einige dort aufführten. zur friedlichen blockade sammelte sich die „linke sa“ (elsässer) mit [edit.]1 ca. 100 teilnehmer_innen. da die blockade friedlich sein sollte, wurde darauf verzichtet, die leute körperlich davon abzuhalten, in den club voltaire zu gelangen. so konnten sich also auch die freund_innen ahmadinejads fröhlich mitteilen. einer lief herum und rief die ganze zeit „ihr seid die laufburschen der imperialen rechten“ sowie „zionismus ist faschismus“, während elias davidsson sich 10 minuten darüber auslies, dass er nicht sprechen dürfe, ein schöner performativer selbstwiderspruch. er betitelte die kritiker_innen als „faschisten“, und, ich glaube auch er war das, bin mir allerdings nicht mehr ganz sicher, sagte sinngemäß, die kritiker_innen würden wie die nazis gegen die kunst vorgehen.
auch wojna ließ sich blicken und stimmte in den chor ein: „kunst darf alles“. jawoll! auf die bestimmt vorgetragene kritik, er paktiere nachweislich mit rechten, und sei ein homphober sexist, zeigte er sein t-shirt mit dem aufdruck „kein sex mit nazis“ (so auch ein songtitel der bandbreite) und rief so was wie „seht ihr das, was soll ich denn noch machen, damit ihr merkt, dass ich kein nazi bin?“ nun denn, wie wäre es damit, sich zu verkriechen? auf jeden fall bin ich zu dem schluss gekommen, dass, gäbe es einen duden, der worte mit bildern illustriert, neben dem wort „dummheit“ ein bild wojnas prangen müsste – siehe auch „wahn“.
als der ehemalige vorsitzende des club voltaires eine rede hielt, sammelten sich arbeiterfotograf_innen hinter ihm, und hielten lustige schilder mit dem aufdruck „hexenjagd gegen aufklärung“ und „handlanger des imperialismus gegen aufklärung“ hoch. leider fand sich nicht genug holz und reisig für die scheiterhaufen, so dass die arbeiterfotograf_innen sich weiterhin selbst lächerlich machen durften.
als dann das konzert begann, und einige genoss_innen versuchten reinzugehen, um nochmals die kritik vorzubringen, wurden sie unsanft von den türstehern und besucher_innen daran gehindert. daraufhin wurde die blockade entnervt beendet, dass sich endlich den alkoholischen getränken gewidmet werden konnte, schließlich muss die ganze kohle vom mossad ja auch wieder ausgegeben werden.
fazit: nerviger abend, durchgeknallte antisemiten und durchaus kreative beschimpfungen. jetzt bleibt abzuwarten, wie sich die diskussion weiterentwickelt. vor allem bin ich gespannt, ob sich die ganzen fotos, welche die arbeiterfotograf_innen permanent machten, demnächst irgendwo finden lassen, ob sie tatsächlich so weit gehen und der anti-antifa die arbeit abnehmen.

update: auf indymedia gibt es einen weiteren bericht.

  1. nach den berichten auf antifa-frankfurt.org und indymedia waren es wohl 100. damit korrigiere ich meine erste schätzung. [zurück]